Die Wüste lebt
Vor Ihnen liegt eine Bleiwüste von 143 Seiten, die Raum läßt, sich
unterwegs zu vielem seine eigenen Bilder zu machen - egal, ob Sie
bereits gewiefter Rhetoriktrainer sind und vor Neuem nicht zurück-
schrecken, oder kritische NLPlerin auf der Suche nach neuen Er-
fahrungen.
Sollten Sie weder NLPler noch Trainer sein, sondern ein besonders
neugieriger Anwender von Rhetorik, der schon den einen oder ande-
ren Kurs besucht hat und noch besser werden möchte - dann herzlichen
Glückwunsch! Sie werden in diesem Buch vieles entdecken, das Sie
zu einem exzellenten Redner machen wird. Bei der Lektüre haben
Sie das Glück, daß Sie nicht alles aus diesem Leitfaden für Trainer
lesen brauchen. So können Sie gleich die ersten beiden Kapitel über-
springen und sich mitten ins erste Thema Selbst- und Fremdwahrneh-
mung stürzen. Speziell für Selbstanwender ausgeklügelte Übungen
finden Sie an relevanten und hervorgehobenen Stellen in diesem Buch.
Mitten in dieser Wüste werden Sie auf Menschen treffen, die stellver-
tretend für Ihre zukünftigen Kursbesucher Modell stehen und sich für
Sie auf der Bühne abstrampeln. Reich an Abwechslung, wie Wüsten
sind - jeder der sie erlebt hat, wird das bestätigen -, ist auch diese. So
werden Sie nicht in Theorie versanden, sondern vor allem als Ohren-
zeuge aufschnappen, wie man durch einen kürzeren oder längeren Rhe-
torikkurs führt. Und Sie werden sehen, wie man mit den richtigen Wor-
ten ressourcelos gewordene Teilnehmer auf der Bühne wieder flott be-
kommt. Hin und wieder spielen Sie auch Mäuschen in Annegrets Lehr-
gang und erleben mit, wie, genau, man in schwierigen Situationen inter-
veniert.
Da in diesen Kursen die wüstesten Fälle durchgespielt wurden, können
Sie sicher sein, daß Sie mit den leichten Fällen, wie sie in der Praxis
eher vorkommen, gut umgehen können. Mit diesem Buch sind Sie also
für alle Überraschungen in Ihren Kursen bestens gerüstet. Apropos
Kurse: Da Rhetorik an Schulen und Hochschulen stiefmütterlich be-
handelt wird, werden Rhetorikkurse viel nachgefragt, sei es an Volks-
hochschulen oder von Seiten der Unternehmen, selbst in Zeiten, wo
im Weiterbildungsbereich der Rotstift tanzt. Hat man Sie erstmal für
einen Rhetorikkurs engagiert, geht später vielleicht auch die eine oder
andere Türe auf für Teamtraining - oder was immer Sie sonst noch
anbieten.
Orientierungshilfen
Wer sich in die Wüste begibt, braucht eine Landkarte, um sich orientie-
ren zu können.Und wie es bei Landkarten so üblich ist, steht meist unten
rechts die Legende, eine Erklärung, wie die auf der Karte vermerkten
Zeichen zu verstehen sind. Wir stellen die Legende voran und zeigen
Ihnen jetzt schon, welche "Zeichen" Ihnen helfen, sich zu orientieren.
1. Nach ___Für Selbstanwender steht eine Anleitung, wie man sich
- ohne Seminar - das Wesentliche aus der vorangegangenen Seminar-
übung aneignen kann.
2. Häufig werden Sie !Interventionen finden. Hier erfahren Sie, wie
man als Trainer NLP-gerecht vermittelnd eingreift bzw. weiterhilft.
Meist sind es in Szene gesetzte Ausschnitte aus Annegrets Seminar.
3. Immer dann, wenn Sie kursiv Gedrucktes lesen (meist zusätzlich
hervorgehoben als eigene Zeile oder Absatz), können Sie dies wort-
wörtlich in Ihren Kursen verwenden.
4. Nicht gerade selten werden Sie über den NLP-Slang stolpern, wie
beispielsweise: Analoges Markieren. Haben Sie keine Angst, wir
fangen Sie gleich wieder auf, indem wir solche Begriffe dem Kontext
angepaßt erläutern: Analoges Markieren: bedeutet allgemein im NLP,
daß man ein oder [...]
Warum, fragen Sie sich vielleicht, haben wir diese Begriffe nicht ein-
fach übersetzt? Aus einem guten Grunde nicht: hätten wir das getan,
schwitzend und unruhig auf dem Stuhl hin und her wetzend, wären Ihre
Assoziationen zu den Begriffen aus diesem Buch nicht mehr zu denen
aus anderen NLP-Büchern vereinbar. Vereinbar? Ach ja, compatibel
heißt das auf neudeutsch.
Soweit die Legende, dazu gleich mal ein Blick ins Buch:
!Intervention: TN hält sich nicht an Feedback-Regeln
Mit der Gruppe hatten Sie vereinbart, daß nach der Rede eines Teil-
nehmers nur positives Feedback gegeben wird. Einer sagt: "Mir hat
gefallen, wie er die fachlichen Begriffe trefflich erklärt hat." Ein an-
derer aus der Gruppe tanzt aus der Reihe und widerspricht: "Also ich
konnte mit den Begriffen überhaupt nichts anfangen, und insgesamt
war das alles ein ziemliches Durcheinander."
Wenn sich Teilnehmer beim Feedback widersprechen, einer hält sich
an die Vereinbarung des positiven Feedbacks, ein andere nicht (Spiel-
regelverletzer), dann stärken Sie zuerst den Redner, indem Sie - stimm-
lich hervorgehoben! - wieder das herausstellen, was gelungen war:
"Jawohl, genau, die fachlichen Begriffe waren trefflich erklärt!"
Also wieder: erstmal den Redner mit Energie aufladen - und danach
denjenigen, der negativ kritisiert hat, durch analoges Markieren
darauf hinweisen, daß er gegen die Spielregeln verstoßen hat.