7. Was ist gelungen? - positives Feedback
Das A und O eines Rhetorikkurses, der sich mit NLP schmückt, ist,
daß alle Teilnehmer in einem guten Zustand sind, beziehungsweise
vom Trainer immer wieder in einen guten Zustand gebracht werden,
wenn mal etwas nicht so gut gelaufen ist - sei es eine Redeübung,
ein Feedback oder ein sonstiger Beitrag.
In einem Rhetorikkurs muß der Erfolg her
Der Erfolg eines jeden Teilnehmers auf der Bühne wird dadurch sicher-
gestellt, daß sie oder er das positive Trainer- und Gruppenfeedback für
die nächste Übung inkorporieren kann. Daher ist es notwendig, daß je-
der Teilnehmer seine Rede sofort wiederholen kann - sooft, bis der Er-
folg weitestgehend da ist. Wiederholt werden kann sowohl das mißlun-
gene Element, als auch die ganze Rede, wenn sie länger war und insge-
samt nochmal verbessert werden soll. Das hängt vom Kurs, von den Er-
wartungen der Besucher und von der Zeit ab.
Daraus leitet sich eine wesentliche Aufgabe für Sie ab. Sie sorgen dafür,
daß die Gruppe ihre positive Energie jedem Teilnehmer zur Verfügung
stellt. Beim Nachbesprechen einer Übung fragen Sie also immer zuerst
die Zuhörer:
"Was ist ihr/ihm gelungen?"
Damit halten Sie den Teilnehmer in einem gutem Zustand. Neben dieser
Grundvoraussetzung sollte jede Übung von jedem Teilnehmer erfolgreich
in einer wiederholten zweiten Rede beendet werden - erfolgreich zumin-
dest in wesentlichen Teilaspekten, die dann von Ihnen und von der Grup-
pe - hervorgehoben! - gelobt werden.
Erfolg = guter Zustand + wesentliches Kriterium der Übung
Der Erfolg muß besonders dann sichergestellt werden, wenn mit Video
gearbeitet wurde und sich Teilnehmer auf dem Band dokumentiert haben,
was sie falsch gemacht haben. Kann ein Trainer abschätzen, daß bei
Videoeinsatz aus zeitlichen Gründen keine Wiederholungen (für jeden TN)
möglich sind, können wir von diesem elektronischen Hilfsmittel nur ab-
raten. Denn das, was auf dem Bildschirm dokumentiert ist (und vom
Teilnehmer innerlich mehr oder weniger als Versagen kommentiert wird)
und in der Nachbesprechung im Feedback detailliert besprochen wird,
ist als Modell derart prägend im negativen Sinn, daß es als Bild/Film bei
späteren Reden wiederkommt.
Ritual für das Auswerten der Rede
Wenn Sie eine Übung auswerten, kann es vorkommen, daß Sie zwei Teil-
nehmer haben, denen die Rede besonders gut gelungen ist, während der
Rest sich schwer getan hat. Psychologisch ist es dann wichtig, daß jeder
noch etwas verbessert. Zu verbessern gibt es immer etwas, und da hilft
dieses Gruppen-Ritual: Jeder kommt dran, jeder bekommt Zeit und jeder
bekommt die Aufmerksamkeit der gesamten Gruppe. Alle geben positives
Feedback zu irgend etwas und jeder Übende bekommt die Möglichkeit,
an seiner Rede zu arbeiten.
Steuern des Feedback-Prozesses in Großgruppen
Ein Punkt, der bei herkömmlichen Rhetorikseminaren eher unter den Tisch
fällt, ist, die Kursbesucher anzuleiten, dem Redner aus ihrer Runde zu sagen,
was ihm gelungen ist. Manchmal ist es für den Trainer nicht einfach, Teil-
nehmer aus der Gruppe so anzuleiten, daß sie es schaffen, einfach zu sagen,
dieses oder jenes war gelungen. Viele Teilnehmer tendieren eher dorthin,
spezifisch zu kritisieren. Die Ursache liegt wohl darin, daß manche Menschen
die Tendenz haben - weil sie selber so mit sich umgehen -, daß sie nicht zu
sich sagen: "Super, das hat jetzt hingehauen". Eher sagen sie sich: "Das war
schon mal besser als vorher". Und so geben sie es auch an andere weiter.
Unbewußt bringen sie dann die wildesten Sachen daher - in bester Absicht:
sie wollen es dem Trainer recht machen und den Teilnehmer auf der Bühne
ermutigen.
Worauf Sie bei Ihren Interventionen immer achten sollten, ist die Reihenfolge
nach dem Kriterium: wer ist ressourcelos, beziehungsweise, wer ist am
ressourcelosesten? Dies ist ein weiterer wichtiger Grundsatz bei Rhetorik-
kursen auf NLP-Basis. Dazu ein Beispiel: Ein Teilnehmer merkt, daß seine
Rede auf der Bühne nicht so toll war. Wenn sich jetzt auch noch ein Feed-
backgeber nicht an die Regel des positiven Feedbacks hält und nach dem
positiven Einstieg: "Dein Blickkontakt war gut, ..." - mit der Stimme keinen
Punkt macht, sondern mit einem "aber ..." das Mißlungene dranhängt, wissen
Sie, daß Sie sich um zwei Teilnehmer kümmern müssen: um den Redner und
um den Regelverletzer. In diesem Fall wird der Redner ressourceloser sein.
Sie bauen also zuerst ihn auf, und bringen danach dem Feedbackgeber bei,
wie positives Feedback geht. In den eher seltenen Fällen, wo ein anderer
ressourceloser als der Redner ist, helfen Sie erst mal dem anderen. Im fol-
genden zeigen wir am Beispiel der Inforede, was genau zu tun ist.
!Intervention: TN gibt Gut-aber-Feedback
Ein Teilnehmer hielt vor der Großgruppe eine Rede. Ein anderer gab ein
Gut-aber-Feedback: X war gut, aber... Y war schlecht. In unserem Beispiel
lobte der Feedback-Geber den Blickkontakt und kritisierte den Zeitrahmen.
In diesem Fall gehen Sie so vor, daß Sie den Redner sofort mit dem ersten
Satz wieder flott kriegen. Sie tun so, als hätte der Feedbackgeber das "aber"
überhaupt nicht gesagt:
"Genau, ein Spitzenblickkontakt!"
Sie verstärken also das Positive - auch stimmlich - und ignorieren das Nega-
tive. Im zweiten Schritt räumen Sie das Negative aus. In diesem Fall schaffen
Sie eine Verbindung vom Blickkontakt zum Zeitrahmen. Dazu fragen Sie sich:
Wie hängen Blickkontakt und Zeitrahmen zusammen? Aus der Antwort bilden
Sie sich einen positiven Frame, wie beispielsweise:
"Und weil du den Blickkontakt so toll hattest, hast du selber gemerkt, daß
die Zuhörer sozusagen nach einer Weile abgeschaltet haben - das hat dir
der Blickkontakt ermöglicht. Sehr gut!"
Damit sagen Sie implizit: Der Blickkontakt ist das Entscheidende gewesen;
das mit der Zeit hast du selber gemerkt. Das brauchst du nicht als Feedback;
das hast du schon durch den Blickkontakt erfahren. Beim Framing verknüpfen
Sie also beides so, daß es ein Lob für den Redner wird. Indirekt klinken Sie
mit diesem Frame das negative Feedback aus, wenn ein Ritual für positives
Feedback angesagt war.