____Für Selbstanwender: "Ja, aber ..." im Alltag
Da die inneren Widerstände auf den eben genannten fünf Ebenen
(Fähigkeiten, Überzeugungen ...) stark sein können, ist es erforderlich,
daß Sie dieses Muster schrittweise lernen.
Identifizieren Sie um sich herum Ja-aber-Schleifen, und gehen Sie dann
spielerisch mit dem Muster um; vorsichtshalber bei Gesprächen mit
Menschen, auf die Sie nur vorübergehend treffen.
Identifizieren Sie Ihre eigenen Ja-aber-Schleifen, und machen dann
weiter im alten Muster - jedoch mit der Fremdwahrnehmung: wie reagiert
der andere? Hält er die Luft an? Nimmt er in irgendeiner Form Abstand?
Geben Sie dem anderen recht, wenn Sie Bedenken haben, daß Ihnen keine
Brücke einfallen wird - und warten Sie, bis der andere mit einer Brücke
kommt. In dieser Entspannung werden Sie lernen, für jeden Menschen
und für jedes Argument eine Brücke zu finden.
Führen Sie solange Argumente für den anderen an, bis Ihnen eine
Und-gerade-deshalb-Brücke einfällt.
Gerade bei der Ja-aber-Übung macht es einen großen Unterschied, ob man sie für
sich selbst macht, in einem Seminar theoretisch weitergibt oder als Gesamtübung
durchführt. Wenn man sie in Kursen ohne der Fähigkeit der vielschichtigen
Wahrnehmung macht, läuft man Gefahr, sich dicke Konflikte zu schaffen. Man
sollte sich klar sein, daß man interne Prozesse wahrnehmen können muß, so daß
man problematische Kursteilnehmer hypnotisch oder durch Ankern zum Erfolg
führen kann. Oftmals geht das so weit, daß man die Übung nicht mal als Hülse
(Blabla ohne Inhalt) bringen kann. Bringt nämlich einer seinen Appell, "ich finde ...",
und sagt der andere nur "Ja, aber ... blabla", kann man zwar sagen, stimmt, und
die Stimme senken - doch oft bleibt die Stimme oben; und beginnt zu kämpfen,
weil dieses Identitäts-Lebensgefühl so stark geankert ist. Dieses Gefühl wandelt
sich folglich nicht, wenn man die Übung nur als Hülse macht. Es wandelt sich
nur dann, wenn man sich erstmal auf den Stuhl des anderen setzt, innerlich eine
neue Referenz in Erfahrung bringt, und diese dann in der Hülse als neue Möglich-
keit anbietet. Das alles aber ist therapeutisch und braucht absolute Masterfähigkeiten.
Falls Sie NLP-Master-Practitioner sind und Ihre Teilnehmer untereinander nur üben
lassen wollen, sollte das ein Seminar sein, wo der Vertrag besteht, daß man einzel-
nen Teilnehmern Hilfestellung gibt. Sollten Sie dagegen diese Übung in einem reinen
Rhetorik-Seminar voll durchziehen wollen, empfehlen wir, es nur auf der Bühne zu
tun, wo Sie den Prozeß kontrollieren können.
Was demnach nicht geht, ist, die Ja-aber-Übung einfach auszuprobieren und schauen,
was wird. Man kann die Gruppe verlieren, nachdem man in allen anderen Übungen
eine gute Stimmung gemacht hat. Alle schiefgelaufenen Situationen innerhalb der
klassischen Rhetorik kann man wieder gutmachen, wenn man den Teilnehmer im
nächsten Anlauf zum Erfolg führt.
Insgesamt jedoch ist die Ja-aber-.Übung so stark wirksam, daß nach langfristiger
Prüfung auf die Frage, was vom Kurs hängen geblieben ist, geantwortet wird:
die Ja-aber-Übung.