Die drei Grundarten aller Konflikte
Die vergebliche Ja-aber-Dauerdiskussion
Streit: Einer kritisiert irgendwie seinen Gegenüber
Jain: Jemand sagt ja - und macht nonverbal deutlich, daß er noch
Einwände hat
Ja-aber: der inhaltliche Konflikt
Wenn eine gedachte Linie zwischen Redner+Zuhörer die Beziehungsebene,
und die Linie zwischen Thema+Redner die Beziehung des Redners zu seinem
Thema ist - dann ist eine Ja-aber-Diskussion ein rein inhaltlicher Konflikt:
Ich bin dieser Meinung, der andere ist anderer Meinung. Daraus kann schnell
Streit werden. Solche Gespräche fangen meist sachlich an, doch bald gehen
beide an die Decke.
Kritik: der Beziehungskonflikt
Wenn der Kontakt zum Thema abgebrochen ist, geht es nur noch um die
Beziehungsebene - es wird etwas kritisiert, was mit dem Thema nichts zu
tun hat; das Thema ist nur noch der Aufhänger für das Aussprechen der
Kritik. Sagt einer: "Dein ungebügeltes Hemd stört mich, geht es nicht um
das Hemd, sondern um etwas auf der Verhaltensebene, vielleicht um:
"Du bist schlampig angezogen, unser Gespräch bedeutet dir wohl nichts.
Deine Launen sind dir wohl wichtiger als ich."
Jain: Mischung aus inhaltlichem und Beziehungskonflikt
Jain ist eine Mischung. Hat jemand zu einem Thema einen Einwand, den er
nur halbbewußt wahrnimmt, braucht er großes Vertrauen zu seinem Gegenüber,
um sich innerlich zu fragen, ob ein Einwand vorhanden sein könnte. Dies gilt
um so mehr, wenn der Einwand völlig unbewußt ist. Die Auflösung von Jains
gelingt nur durch eine Kommunikation auf den beiden Ebenen:
- Redner/Zuhörer
- Zuhörer/Thema
Soweit die drei Schubladen. Machen wir gemeinsam die Erste auf.
Ja aber: vom Überreden zum Überzeugen
Viele Diskussionen drehen sich um leere Thesen und Nominalisierungen
ohne spezifische Anwendung. Selbst wenn einer den anderen voll überzeugen
würde, hätte es weder für beide noch für andere irgendeine Konsequenz. Dazu
kommt, daß oft mehr überredet als überzeugt wird, was beim Überredeten zu
inneren Konflikten führt. Das Schlimme daran ist nicht nur die Ohnmacht der
Person, die den anderen zum gemeinsamen Handeln begeistern will, sondern
auch der Verlust des Rapports, der sich auch bei der sachlichsten Auseinander-
setzung dieser Art letztendlich einstellt.
Nominalisierung bedeutet in diesem Kontext: Wird ein Verb oder Adverb nominalisiert,
beispielsweise "eine Entscheidung treffen" statt "entscheiden", wird nur das Ergebnis
einer Handlung dargestellt - und nicht die Handlung selbst.
Leitlinien für die Überzeugung eines Ja- aber-Sagers
1. Formulierung des Appells
Der Appell wird so formuliert, daß deutlich wird, wie jeder und damit auch der
andere handeln soll, so daß diese Handlung eine Konsequenz für die Allgemein-
heit hat.
(Gegenüber antwortet mit: Ja, aber ...)
2. Nonverbales Spiegeln; unter Umständen nachfragen
Den anderen nonverbal pacen und für sich prüfen, ob dessen Position soweit
nachvollziehbar erscheint, daß man ihm in einem Aspekt seiner Aussage voll
recht geben kann. Falls dies nicht möglich erscheint: Fragen stellen!
3. Rechtgeben und im Sinne des Gegenübers weiterargumentieren
Dem anderen voll recht geben (Stimme senken!) - und ihm dies beweisen mit
einem weiteren Argument für seinen Standpunkt.
4. Und-gerade-deshalb-Logik (Brücke bauen)
Falls man noch nicht von der Meinung des anderen im Sinne einer Erweiterung
der eigenen Perspektive überzeugt ist, wird der andere in der Und-gerade-deshalb-
Logik zum ursprünglichen Appell zurück geführt, indem die in seiner Argumenta-
tion enthaltenen Werte als Hebel genutzt werden.
5. Alle weiteren Stolpersteine aus dem Weg räumen
Nun werden soviel Und-gerade-deshalb-Brücken gebaut, bis alle Ja-Abers der
Reihe nach bearbeitet sind und der andere bereit ist, im Sinne des Appells zu
handeln oder darüber neu nachzudenken.
Bei diesem Modell geht es ausschließlich um das Überzeugen zum freiwilligen
Handeln. Es ist nicht anwendbar bei unumgänglichen Forderungen, die als
eine "Sache der Einsicht" getarnt ist. Zudem paßt es nicht in eine hierarchische
Beziehung - denn: verleiht ein Vorgesetzter seiner Forderung Nachdruck,
provoziert er Jains, innere Konflikte; dazu leidet der Rapport. Wer lernt, dieses
Modell Schritt für Schritt anzuwenden, lernt auf 5 verschiedenen Logischen
Ebenen:
SINN
... und erlebt
- unabhängig vom Inhalt -
eine tiefe menschliche Begegnung.
5-------------------------------------------------------------------
I D E N T I T Ä T
... ist beim Handeln nicht mehr allein
4---------------------------------------------------------------------------------------
W E R T E
... macht sich echte Überzeugungsarbeit wichtiger als
den Beweis seiner Argumentationskünste
3-------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Ü B E R Z E U G U N G E N
... glaubt immer mehr daran, daß alle Beteiligten gewinnen können
2-------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
F Ä H I G K E I T E N
Man lernt dialektisches Denken ...
Die Trainer-Fähigkeiten, die man beispielsweise zur Durchführung der
komplexen Ja-aber-Übung braucht, lassen sich in einem Buch nicht vermitteln.
Da bei dieser Übung zudem auf der Identitätsebene gearbeitet wird, kann sie
nur von einem NLP-Master-Practitioner durchgeführt werden. Er hat, nach
gründlicher Ausbildung, die Fähigkeit der vielschichtigen Wahrnehmung, die
man braucht, um intervenieren zu können, ohne die Teilnehmer therapieren zu
müssen. Selbst von NLP-Practitionern darf diese Übung in ihrer Tiefenwirkung
keinesfalls unterschätzt werden. Wie bereits angedeutet, wird die Identitätsebene
indirekt eingebracht, wenn man mit den Metaphern anfängt von Landkarte usf.
Damit wird das In-der-Welt-Sein, das Grundbeziehungsverhältnis, auf dieser
hohen logischen Ebene aktiviert. Ohne diese Metaphern, die dieses Verständnis
bewußt machen und am Weltbild wackeln können, läßt sich die Ja-aber-Übung
jedoch nicht durchführen.
Auch bei den Übungen für Kritik und Jain muß sich ein Kommunikationstrainer
sehr sicher sein, denn dabei werden die aktuellen Beziehungen, die die Leute
mitgebracht haben, aktiviert.
Statt sich also gleich am Anfang diese Konfliktübungen anzutun, schlagen wir
vor, daß Sie in der Gesprächsrhetorik mit Spiegeln anfangen, also mit den Teilneh-
mern üben, wie sie verbal und nonverbal behutsam in die Welt des anderen gehen,
seine Stimme übernehmen, Rapport üben im Sinne von aktivem Zuhören, Schlüssel-
wörter verwenden usf. - also Übungen, die Sie wenn Sie NLP-Practitioner sind,
von Ihrem ersten Wochenende her kennen. Wenn Sie noch nicht NLP-infiziert sind,
können Sie diese NLP-Grundlagen, die ersten Schritte, sich aus Büchern holen und
dann im Alltag anwenden.
Wenn Sie die folgenden Modelle in ihrer Gesamtheit für sich lernen und später
weitergeben möchten, können Sie die Muster im Alltag schrittweise lernen, oder
sich in einem Seminar aneignen.
Hier weiter: Ja-aber im Alltag